Auf den Punkt: Der Rückgang der OT-Sicherheitsreife im Fortinet-Report 2026 resultiert laut Anbieter aus realistischerer Selbsteinschätzung, nicht aus tatsächlicher Verschlechterung, während CISOs zunehmend die Verantwortung für OT-Cybersecurity übernehmen.
Der Anteil von Unternehmen, die ihre OT-Sicherheit auf höchster Reifestufe verorten, ist laut Fortinet binnen eines Jahres von 49 auf 17 Prozent gefallen. Fortinet selbst wertet dies nicht als Verschlechterung, sondern als Korrektur nach zuvor unrealistischer Selbsteinschätzung.
Für den State of Operational Technology and Cybersecurity Report 2026 hat Fortinet weltweit mehr als 700 Fachleute aus dem OT-Umfeld befragt. Die Studie misst die Reife von OT-Sicherheitsprogrammen anhand eines fünfstufigen Modells von Level 0 (unstrukturierte, undokumentierte Prozesse) bis Level 4 (vollständig optimierte, automatisierte Sicherheitsarchitektur). Im aktuellen Jahrgang verschieben sich die Werte deutlich Richtung unterer Stufen: Level 0 stieg von 1 auf 5 Prozent, Level 1 von 5 auf 17 Prozent, Level 2 von 13 auf 27 Prozent. Als Ursache nennt Fortinet nicht eine tatsächlich verschlechterte Sicherheitslage, sondern mehr gemeinsame IT- und OT-Sicherheitsteams, gestiegene Budgets und spezialisierte OT-Sicherheitslösungen, die Unternehmen erstmals einen realistischen Blick auf vorhandene Lücken ermöglicht hätten.
Für CISOs ist der Report auch deshalb relevant, weil sich die organisatorische Zuständigkeit für OT-Cybersecurity verschiebt: 81 Prozent der Befragten wollen diese Verantwortung innerhalb der nächsten zwölf Monate in die Hände des CISO überführen – ein Trend, der laut Report bereits im fünften Jahr in Folge wächst. OT-Sicherheit wird damit zunehmend Aufgabe der Unternehmensführung statt allein der Produktionsverantwortlichen. Gleichzeitig verschärft sich der regulatorische Rahmen in Europa: Seit Dezember 2025 gilt in Deutschland das NIS2-Umsetzungsgesetz ohne Übergangsfrist, im September 2026 folgen mit dem EU Cyber Resilience Act erste verbindliche Meldepflichten für Hersteller vernetzter Produkte.
Bei der Netzwerktransparenz zeigt der Report Fortschritte: 14 Prozent der Unternehmen geben vollständige Sichtbarkeit über ihre OT-Umgebungen an, gegenüber 5 Prozent im Vorjahr. Zugleich berichten 23 Prozent, lediglich die Hälfte ihrer eigenen OT-Infrastruktur zu überblicken – nahezu jedes vierte Unternehmen verteidigt damit Netzwerke mit blinden Flecken. Diese Lücke gewinnt an Gewicht, da laut Report längere Verweildauern von Angreifern in kompromittierten Netzwerken zunehmen, während kurze Verweildauern stabil bleiben. Je länger Angreifer unentdeckt bleiben, desto mehr Zeit bleibt für Systemaufklärung, Diebstahl geistigen Eigentums und die Vorbereitung von Angriffen mit größerer operativer Wirkung.
Bei den Angriffsvektoren bleibt Phishing mit 76 Prozent die häufigste Methode für den Erstzugriff, Ransomware zählt mit 50 Prozent weiterhin zu den zentralen Bedrohungen. Positiv fällt eine andere Zahl auf: Nur noch 24 Prozent der Unternehmen berichten von Angriffen, die sowohl IT- als auch OT-Systeme trafen, gegenüber 60 Prozent im Vorjahr. Fortinet führt dies auf verbesserte Netzwerksegmentierung zurück. 89 Prozent der befragten OT-Verantwortlichen rechnen zudem innerhalb der nächsten fünf Jahre mit steigenden Investitionen in OT-Sicherheit, wobei der regulatorische Druck durch NIS2 und Cyber Resilience Act als zusätzliches Argument für Budgetentscheidungen dient.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 7. August 2026
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