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Mutmaßlich chinesische Hacker attackieren Taiwan mit autonomem KI-Agentensystem

Auf den Punkt: Ein mutmaßlich chinesisches Angriffssystem aus frei verfügbaren Open-Source-KI-Agenten-Frameworks kompromittierte über vier Tage autonom taiwanesische Regierungs- und Energiesysteme und entwendete mehr als 2.500 Personaldatensätze.

Die Sicherheitsfirma Dream dokumentiert einen mehrtägigen Angriff auf taiwanesische Regierungs- und Energieinfrastruktur, bei dem bis zu acht KI-Agenten weitgehend eigenständig agierten. Für CISOs markiert der Fall einen Wendepunkt: Autonome Angriffswerkzeuge lassen sich offenbar bereits aus frei verfügbaren Open-Source-Bausteinen zusammensetzen.

Nach Angaben von Dream lief die Kampagne über vier Tage Anfang Juli. Zeitweise setzten die Angreifer bis zu acht autonome Agenten parallel ein, verteilt auf insgesamt zwölf dokumentierte Angriffswellen. Das System kartierte zunächst 21 Regierungssysteme, kompromittierte anschließend mindestens 85 Nutzerkonten und entwendete mehr als 2.500 Personaldatensätze. Im Verlauf weitete sich die Aktivität auf Taiwans Atomsicherheitsbehörde, mindestens sieben Energieunternehmen sowie weitere Regierungsdienstleister aus. Innerhalb der Angriffswellen übernahmen einzelne Unteragenten jeweils eigene Aufgaben: Erlangen von Zugangsdaten, Sammeln von Datensätzen, Ausnutzung einer entdeckten Schwachstelle bei der Signaturprüfung sowie Installation von Hintertüren.

Dream stieß nach eigenen Angaben auf ein 160 Megabyte großes Online-Archiv mit 1.395 Dateien im Rahmen laufender Bedrohungsbeobachtung. Die Analyse ergab, dass das Angriffswerkzeug auf den frei verfügbaren, quelloffenen Agenten-Frameworks Hermes und OpenClaw aufbaute – beide ursprünglich nicht für Angriffszwecke, sondern für die eigenständige Ausführung mehrstufiger Aufgaben durch Sprachmodelle entwickelt. Welches konkrete Sprachmodell die Agenten antrieb, konnten die Forscher nicht feststellen. Die Angreifer umgingen dessen eingebaute Schutzmechanismen jedoch, indem sie den Einbruch gegenüber dem Modell als autorisierten Penetrationstest statt als echten Angriff darstellten.

Für Sicherheitsverantwortliche liegt die eigentliche Relevanz des Falls nach Einschätzung von Dream weniger in der grundsätzlichen Angriffsfähigkeit als in der Tatsache, dass ein derart leistungsfähiges, autonom arbeitendes Werkzeug allein aus frei zugänglichen Bausteinen zusammengesetzt wurde, die jeder Entwickler herunterladen und ausführen kann. Als auffälligstes Merkmal nennen die Forscher zudem die Fähigkeit des Systems, fortlaufend eigenständig neue Angriffsstrategien zu entwickeln statt einem vorprogrammierten Ablauf zu folgen: Die Plattform bewertete verfügbare Erkenntnisse kontinuierlich neu, priorisierte Angriffspfade entsprechend um und beauftragte bei fehlgeschlagenen Versuchen einen weiteren Agenten damit, im Internet nach alternativen Vorgehensweisen zu suchen.

Amir Becker, Chief Strategy Officer bei Dream und ehemaliger Leiter von Cyberoperationen bei der israelischen Einheit 8200, bezeichnete den Vorfall als seiner Erfahrung nach beispiellosen, durchgängig autonomen Angriff auf ein Regierungsziel. Seiner Einschätzung nach müsse eine dauerhaft unterstellte Kompromittierung inzwischen der einzig realistische Ausgangspunkt für die eigene Sicherheitsplanung sein. Nach Angaben von mit dem Fall vertrauten Personen gegenüber der Financial Times, die zuerst über den Vorfall berichtete, war Taiwan das eigentliche Ziel des Angriffs, auch wenn Dream selbst keine offizielle Bestätigung des Ziellandes vornahm. Als Hinweis auf eine chinesische Herkunft nennen die Forscher, dass die interne Dokumentation des Angriffswerkzeugs in vereinfachten chinesischen Schriftzeichen verfasst war, während die entwendeten Daten in traditionellen chinesischen Schriftzeichen zurückkamen, wie sie in Taiwan üblich sind.


Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 13. August 2026
Lumi AI News — KI-assistierte Kuratierung gemaess Art. 50 EU AI Act. Paraphrase und Klassifikation durch Lumi News Pipeline v1.8.3.

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