Auf den Punkt: Weil bereits heute abgegriffene verschlüsselte Daten künftig durch Quantencomputer entschlüsselt werden könnten, rät G+D zu einer risikobasierten, frühzeitigen Migration auf Post-Quantum-Kryptografie.
Giesecke+Devrient (G+D) fordert Unternehmen und Betreiber kritischer Infrastrukturen auf, die Umstellung auf Post-Quantum Cryptography (PQC) bereits jetzt vorzubereiten – noch bevor leistungsfähige Quantencomputer verfügbar sind. Grund ist die Bedrohung durch „Harvest now, decrypt later“-Angriffe, bei denen heute verschlüsselte Daten für eine spätere Entschlüsselung gesammelt werden.
Giesecke+Devrient (G+D) sieht bei der Umstellung auf Post-Quantum Cryptography (PQC) bereits heute konkreten Handlungsbedarf. Hintergrund ist die Einschätzung, dass ausreichend leistungsfähige Quantencomputer künftig heute gängige Verschlüsselungsverfahren angreifbar machen könnten. Betroffen wären laut G+D unter anderem Zahlungssysteme, digitale Identitäten, Mobilfunknetze, IoT-Infrastrukturen und staatliche Systeme. Ein erfolgreicher Angriff könnte vertrauliche Kommunikation offenlegen, digitale Identitäten kompromittieren und Transaktionen manipulierbar machen.
Mehrere Entwicklungen sprechen laut G+D dafür, das Thema nicht mehr als reine Langfristfrage zu behandeln. Neue wissenschaftliche Arbeiten deuten darauf hin, dass für bestimmte Angriffe möglicherweise weniger leistungsfähige Quantencomputer nötig sein könnten als bisher angenommen. Zudem haben sich die globalen Investitionen in Quantencomputing laut McKinsey innerhalb eines Jahres versechsfacht. Google und Cloudflare haben eigene Migrationszeitpläne formuliert und streben eine Umstellung bis 2029 an. Die EU veröffentlichte im Juni 2024 eine koordinierte Roadmap, nach der besonders kritische Anwendungsfälle spätestens bis Ende 2030 auf quantensichere Verfahren umgestellt werden sollen. Parallel arbeiten Standardisierungsorganisationen wie GSMA, 3GPP, ICAO und IETF an der Weiterentwicklung bestehender Protokolle für PQC.
Für CISOs ergibt sich daraus ein unmittelbares Risiko unabhängig vom tatsächlichen Zeitpunkt der Verfügbarkeit leistungsfähiger Quantencomputer: Bei „Harvest now, decrypt later“-Angriffen sammeln Angreifer bereits heute verschlüsselte Informationen, um sie später zu entschlüsseln. Besonders relevant sind damit Daten mit langer Schutzdauer – etwa Informationen, die auch in zehn oder zwanzig Jahren noch vertraulich bleiben müssen. Diese lassen sich nicht erst dann absichern, wenn entsprechende Quantencomputer bereits existieren.
Die Migration selbst betrifft laut G+D nicht nur einzelne Algorithmen, sondern reicht tief in Anwendungen, Netzwerke, Identitätssysteme und digitale Infrastrukturen hinein. Unternehmen sollten deshalb zunächst erfassen, welche kryptografischen Verfahren im Einsatz sind, wo besonders schützenswerte Daten verarbeitet werden und welche Systeme eine lange Lebensdauer haben. Auf dieser Basis empfiehlt sich eine risikobasierte, schrittweise Priorisierung – beginnend bei besonders kritischen Systemen wie digitalen Ausweisdokumenten, deren Signaturen die langfristige Integrität und Authentizität gespeicherter Informationen sicherstellen müssen, sowie bei Mobilfunk- und eSIM-Infrastrukturen.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 13. August 2026
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